278. Prinzipielle Unentscheidbarkeit. Short Dive 5 (Christina Grubendorfer)

Shownotes

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Transkript anzeigen

00:00:10: Ja, hallo!

00:00:11: Das ist Organisationentwickeln – dein Picambetta-Podcast.

00:00:15: Wir bei Picambeta wollen Führung und Arbeit wirksam gestalten und natürlich eine Welt in der wir alle gerne leben und arbeiten möchten.

00:00:23: Ich bin Christina Grobendorfer Unternehmerin, Autorin, Organisationsberaterin und Ausbilderin für Systemische Beratungen und Führungen und heute geht unsere kleine Reihe weiter die Short Dives aus dem Realbook of Work.

00:00:37: In diesen kurzen Episoden tauche ich mit dir ein in die zentralen Gedanken dieses Buches, insystemisches Denken über Arbeit und Organisation.

00:00:47: Heute geht es um den Shortdive Nummer fünf – Prinzipielle Unentscheidbarkeit oder was richtig ist, ist falsch!

00:00:55: Ein Tauchgang in eine der spannendsten Fragen organisationaler Wirklichkeit.

00:00:59: Wie gehen wir damit um, dass es keine eindeutigen Antworten gibt und das Organisationen trotzdem entscheiden müssen – jeden Tag und immer wieder neu?

00:01:09: Wenn du The Real Book of Work lieber ganz hören möchtest, dann gibt es natürlich auch als komplettes Hörbuch überall wo es hörbicher gibt!

00:01:18: Dann lass uns jetzt eintauchen.

00:01:19: In Shortdive Nummer fünf machst dir bequem, hör einfach zu und vielleicht erkennst du beim Zuhören dass gerade in der Unentscheidbarkeit eine besondere Form der Klarheit liegt.

00:01:33: Shortdiv Nummer Fünf Prinzipielle Unentschaltbarkeit oder was richtig ist ist falsch.

00:01:41: Entscheidungen und die Sehnsucht nach Eindeutigkeit.

00:01:46: Entscheidungen sind nur dann nötig, wenn man wirklich nicht wissen kann ob etwas richtig oder falsch ist.

00:01:51: Sonst müsste man nicht entscheiden sondern könnte es errechnen lassen.

00:01:56: Entscheidungen entstehen immer unter Unsicherheit.

00:02:00: Doch wer Entscheidungen trifft, ist auch für sie verantwortlich und weil das nicht alle Personen gleichermaßen aushalten können oder möchten, ist dies gemeinhin der Job von Führungskräften.

00:02:12: Sie sind in Organisationen dazu da die Unsicherheit, was zu tun ist durch eine Entscheidung aufzuheben.

00:02:20: Und sie können dafür verantwortlich gemacht werden, was Sie entschieden haben.

00:02:25: Deshalb sind Entscheidungsverfahren in neueren Organisationsformen durchaus beliebt, da sie die Verantwortung für eine Entscheidung auch mehrere Schultern verteilen und eine Führungskraft in diesem Fall ersetzen

00:02:38: können.".

00:02:40: Eins von Förster sagte, nur die Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind, können wir entscheiden.

00:02:48: Wir kommen Unternehmer und andere Führungskräfte zur Entscheidungen, wie sie ihr Unternehmen auf die Zukunft ausrichten.

00:02:56: Uns alle verbindet der Umstand, dass wir nicht wissen, wie die Zukunft wird – und doch beherrscht die Sehnsucht nach Sicherheit, Eindeutigkeit, Klarheit, Gewissheit.

00:03:09: Die Maxime lautet Kontrollierbarkeit und dadurch ist klar, was man als Topmanager vorzugeben hat – nämlich die Lage im Griff zu haben.

00:03:20: Diese vermeintliche Sicherheit wird dann demonstriert durch klare Statements voller innenbrünnst vorgetragene Überzeugungen und ausführliche Präsentationen mit vermeintlichen Daten und damit Beweislagen.

00:03:35: den richtigen Riecher gehabt zu haben, es gewusst zu haben – das sind immer noch wahre Auszeichnungen für erfolgreiche Manager.

00:03:44: Es ist verrückt wie hartnäckig sich dieser Anspruch an Führung hält!

00:03:49: Obwohl sich gleichzeitig durchzusetzen scheint, dass es für komplexe Probleme keine allgemeingültigen Regeln geben kann.

00:03:58: Doch Entscheidungen werden in Organisationen gar nicht immer explizit getroffen.

00:04:04: Irgendwie kommt es zu einer Entscheidung und keiner kann mehr so richtig nachvollziehen, wie es dazu kam.

00:04:11: Auch individuelle Entscheidungen kommen häufig intuitiv zustande – die größte Klarheit entsteht plötzlich beim Joggen oder in der Badewanne ohne groß darüber nachgedacht zu haben.

00:04:25: Da wir aber alle gerne in Kategorien von Richtig-und-Fallstenken werden Entscheidungen häufig im Nachhinein rational

00:04:33: begründet.".

00:04:34: Das passiert in Organisationen ähnlich.

00:04:38: Auf der einen Seite haben wir die Sehnsucht nach Berechenbarkeit und Vorhersagbarkeit, und auf der anderen Seite haben es in Unternehmen im ganzen Markt geschehen mit dem Gegenteil zu tun – mit komplexem Zusammenhängen unberechenbarem mit der Dynamik des Lebendigen.

00:04:57: Und trotzdem wird immer wieder eingefordert, zu verlässlichen Aussagen über die Zukunft zu

00:05:03: kommen.".

00:05:04: Das ist äußerst ungünstig, denn durch Verneinungen von Komplexität, durch Trivialisierung verschwinden die Ungewissheiten nicht.

00:05:14: Sie verschwenden nur aus dem Sichtfeld – das ist dann wie Scheuklappen anzulegen!

00:05:20: Und falsche Gewissheiten haben nichts Positives.

00:05:25: Die große Frage, die sich momentan wohl alle Unternehmerinnen und Führungskräfte stellen Kann es in unseren Unternehmen weitergehen wie bisher oder müssen wir etwas anders machen?

00:05:37: Die Antwort ist, Es ist richtig das man weitermacht wie gewohnt.

00:05:42: Und zugleich ist es falsch!

00:05:45: Es ist wichtig dass man innoviert und doch ist es falsch.

00:05:51: Es lässt sich nicht eindeutig sagen Sich auf dieses Nichtwissen einzulassen mündet in einer veränderten Führungspraxis.

00:06:00: Wie bei einer Ski-Tour, bei der die Gruppe durch eine schlechte Wetterlage überrascht wird, gilt es dann alle Sinne zu schärfen, achtsam einen Schritt vor den anderen zu setzen und zu beobachten was passiert.

00:06:14: Auf jeden Fall sind aber vorher die Scheuklappen abzunehmen.

00:06:20: Organisationen schaffen das Unmögliche.

00:06:24: Wenn es nur einen Satz über Unternehmen gäbe, den man sich merken sollte, dann ist es dieser.

00:06:31: Unternehmen sind vor allem deshalb so erfolgreich, weil sie es schaffen, widersprüchlichen Handlungsaufforderungen zu folgen.

00:06:39: Sie schaffen es nicht nur, sondern genau dieser Umstand macht sie im Kern aus!

00:06:45: Sie können das was ein einzelne Mensch nichts zu tun vermag.

00:06:49: Sie lösen die Limitierungen des Menschseins auf.

00:06:52: Sie sind weder an Zeit noch an Raum noch an Sterblichkeit gebunden.

00:06:58: All das schaffen sie durch Kommunikation, die dazu dient, die Aktionen vieler Akteure zu koordinieren.

00:07:05: Und dabei halten Sie Ihre Mitglieder wenn irgendwie möglich austauschbar.

00:07:12: Organisationen fordern von ihren Mitgliedern sich in eine fremdbestimmte Ordnung einzufügen.

00:07:19: Um diesen Verlust an Autonomie zu bewältigen müssen die Mitglieder in der Lage sein, sich zu regulieren und bestimmte Emotionen zu unterdrücken.

00:07:29: Organisationen unterdrücken die Selbstbestimmung ihrer Mitglieder und sind deshalb eine große nazistische Herausforderung.

00:07:40: Organisationen sind Orte der Paradoxie-Bearbeitung.

00:07:50: Unternehmen bilden Einheiten wie Geschäftsfelder, Bereiche, Abteilungen und so weiter die jede für sich fokussiert eine Richtung verfolgen aber trotzdem nicht autonom handeln können.

00:08:04: Die einen sorgen dafür dass alles weiter läuft wie bisher während die anderen etwas Neues in die Welt bringen.

00:08:11: Beides ist wichtig für den Erfolg des Unternehmens und keine Einheit könnte es alleine schaffen.

00:08:17: Das Praktische ist, die Organisation muss sich nicht zwischen dem Alten und dem Neuen entscheiden – sie kann beides tun.

00:08:25: Das gelingt aber nur bzw.

00:08:27: gerade deshalb, weil sich Organisationen von Menschen ein Stück weit entkoppeln, von deren ruhebedürftigen Psychen und Körpern und deren Begrenzungen sich jeweils zwischen dem einen und dem anderen entscheiden zu

00:08:42: müssen.".

00:08:44: Ein Mitarbeiter kann nicht zur selben Zeit Produktion und Vertrieb machen, kann nicht gleichzeitig in New York oder Berlin sein.

00:08:53: Kann nicht seinem Vortrag für mehr Vertrauen und mehr Misstrauen plädieren – ohne unglaubwürdig zu erscheinen!

00:09:01: Aber Organisationen können das….

00:09:04: Für die Organisation wäre es fatal, sich dauerhaft für nur eine Seite zu entscheiden – denn sie hat das immer mit Widersprüchen zu tun und muss mit ihnen umgehen.

00:09:16: Sie muss dafür sorgen, dass Kundenwünsche erfüllt werden wie die Erreichbarkeit des Service-Technikers rund um die Uhr und gleichzeitig die Bedürfnisse der Mitarbeiter erfüllen, Ein Unternehmen muss seine Produkte oder Dienstleistungen zu einem marktfähigen Preis anbieten können und gleichzeitig mit den Lieferengpässen seiner lieferanten Verständnis voll umgehen, um in der Versorgungspipeline nicht ganz nach hinten zu rutschen.

00:09:49: Es muss attraktive Gehälter zahlen – und gleichzeitig dafür sorgen das genügend Gewinn erwirtschaftet wird, um die Investoren bei Laune zu halten.

00:09:58: Für das Unternehmen ist per sie nicht entscheidbar, was jeweils das Wichtigere wäre.

00:10:05: Beides ist wichtig!

00:10:07: Das unmöglich Erscheinende sowohl als auch muss gefunden werden.

00:10:13: Um das zu schaffen braucht es ganz genau Organisationen.

00:10:19: Organisationen brauchen Konflikte.

00:10:23: Organisationenteilen ihre Arbeit auf verschiedene Bereiche auf und stellen dadurch sachliche Konflikte auf Dauer.

00:10:31: Der Vertrieb wird sich immer mit der Produktion über Machbarkeit, Margen und Qualitäten streiten.

00:10:38: Es stecken in Organisationen viele Konflikte – sie sind einprogrammiert und auch nicht wegzubekommen!

00:10:45: Das zu wissen erleichtert vieles und entlastet die Personen, die diese Konflikte stellvertretend austragen.

00:10:53: Silo-Denken beispielsweise ist zu Unrecht nur negativ aufgeladen.

00:11:00: und nützlich für das Funktionieren eines Unternehmens.

00:11:05: Es braucht Konflikte, um zu intelligenten Entscheidungen zu kommen.

00:11:09: Für Unternehmen stellt es eher ein Problem da keine Konflikte zu haben.

00:11:15: Deshalb sollten sich Führungskräfte Widerspruch organisieren – denn es kann nicht sein, dass es keine Konfikte gibt!

00:11:22: Dennoch gibt es die weit verbreitete Auffassung, Konflikte seien etwas Schlechtes deshalb sich eben in manchen Organisationen eine vorgetäuschte Harmonie breit macht.

00:11:35: Für die Beteiligten hat das Konsequenzen.

00:11:38: sie müssen ihre Spannungen dann alleine austragen.

00:11:41: Sie dürfen offiziell nicht thematisiert werden und viele überlebenswichtige Informationen gelangen nicht in die Kommunikationsprozesse der Organisation.

00:11:51: Da wird aber Konflikte nicht in Sackgassen enden oder dem Unternehmen Schaden, gibt es Hierarchien als eine höhere Macht.

00:12:00: Sie sind dazu da, dass Entscheidungen getroffen werden.

00:12:04: wenn Konflikte nicht mehr produktiv auf der Sachebene ausgetragen werden sondern persönlich geworden sind.

00:12:11: Oder wenn es eben nicht zu einer Entscheidung kommt weil beide Seiten sachlich recht haben dann müssen Führungskräfte Partei ergreifen und entscheiden.

00:12:21: Der Job von Führungskräften ist, dafür zu sorgen dass es weitergeht.

00:12:25: Das entschieden wird!

00:12:28: Dabei zeichnet sich gute Führungen dadurch aus die prinzipielle Unentscheidbarkeit auch zu thematisieren mit den Ambivalenzen offen umzugehen statt so zu tun als sei doch alles klar und einfach zu regeln.

00:12:42: Nur deshalb gibt es überhaupt Führungskräfte oder nur deshalb ist Führungen nötig, weil die Dinge eben nicht eindeutig sind und immer wieder Unsicherheiten entstehen.

00:12:53: Wenn klar wäre wie zu entscheiden ist könnte man sich eine unternehmerische Entscheidung auch errechnen lassen.

00:13:00: Entscheidungen sind nur deshalb nötigt, weil niemand weiß wie die Zukunft wird und ist.

00:13:05: deshalb immer ungewiss bleibt ob sich eine Entscheidung im Nachgang als richtig-oder falsch herausstellen.

00:13:14: Es ist gut, Konflikte darauf hinbeobachten zu können, worüber sich gestritten wird.

00:13:20: Lumans drei sind Dimensionen, sachlich-sozialzeitlich sind dabei hilfreich.

00:13:26: Konflichte auf der sozialen Ebene sind Gift für die Organisation – denn sie machen es schwer bis unmöglich, sachliche intelligente Entscheidungen zu treffen!

00:13:37: Deshalb ist es für den Erfolg von Unternehmen auch so wichtig, Führungsteams zu haben die sich gut verstehen und eine gute Beziehung miteinander haben.

00:13:46: Denn dann können sie besser Sachkonflikte oder Zeitkonflikte austragen.

00:13:52: Sie sind dann viel besser als Teams, die sich ständig auf der Beziehungsebene streiten und gar nicht gut über Inhalte streiten können weil alles was jemand sagt ständig daraufhin abgekloppt wird ob das jetzt wieder ein Angriff war usw.. Führung und der Umgang mit Paradoxien.

00:14:12: Führungen sollte darauf achten, Dinge wieder in die Kommunikation zu bringen, die möglicherweise übersehen wurden – zum Beispiel dass das Unternehmen seit einiger Zeit hauptsächlich im Prozessoptimierungsmodus unterwegs ist und zu wenig Zeit in die Erkundung neuer Kunden, Produkte oder Märkte investiert oder auch im Gegenteil seine Ressourcen zu stark für die Entwicklung von Neuem einsetzt, statt darauf zu achten dass das bisherige Kerngeschäft nicht wegbricht.

00:14:44: Wenn immer die Organisationen im Hinblick auf ihre Paradoxien beobachtet wird und wenn immer versucht wird Widersprüchlichkeiten zu thematisieren findet Führung statt – ganz egal wer es macht oder in welchem Format ist passiert!

00:15:01: Wer im Wesen eines Unternehmens erkennt, dass es durch Widersprüchlichkeiten überlebt kann gar nicht mehr allen Ernstes normieren wollen.

00:15:10: Kein Unternehmen kann zum Beispiel nur agil sein, nur nachhaltig sein oder nur mitarbeiterorientiert sein.

00:15:19: Im Fokus sollten Gelingensbedingungen stehen die paradoxieren begrüßen.

00:15:25: Wie kann es uns gelingen, unter den Umständen das wir mehr Geld einnehmen müssen als ausgeben zu können, trotzdem nachhaltiger zu produzieren?

00:15:37: Das war der fünfte Shortdive aus dem Realbook of Work, prinzipielle Unentscheidbarkeit.

00:15:42: Ich hoffe dieser kurze Tauchgang hat dich angeregt über Entscheidungen und Sicherheiten in Organisationen noch einmal neu nachzudenken – und vielleicht auch die Widersprüche nicht mehr als Fehler zu sehen sondern als Teil des Systems!

00:15:58: In der nächsten Folge geht es weiter mit Shortdiv Nummer sechs Spielregeln, Muster & Dann Ja, das war Organisationenentwickeln.

00:16:08: Der Become Better Podcast für wirksame Führung und Zusammenarbeit!

00:16:13: Danke, dass du deine Zeit mit uns verbracht hast.

00:16:16: Gefällt dir unser Podcast?

00:16:18: Dann würden wir uns riesig freuen wenn Du den Podcast in deinem Netzwerk weiter empfiehlst.

00:16:23: Und falls du über Apple-Podcast oder Spotify hörst, dann gib uns doch auch gleich fünf Sterne und folge uns.

00:16:29: Denn das hilft uns enorm dabei weitere Menschen zu erreichen denen es auch ein Anliegen ist eine Welt zu schaffen in der wir alle gerne leben und arbeiten möchten.

00:16:39: Bis zum nächsten Mal!

00:16:41: Tschüss.

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